Mensch, der: Macher, Mischling, Mängelwesen
Unter diesem außergewöhnlich klingenden Titel wurde am Freitag, dem 2. Dezember 2016 im Gotischen Haus in Anwesenheit von zahlreichen Gästen eine Ausstellung eröffnet, in der das zwiespältige Verhältnis von Mensch und Natur im Zentrum steht. Ausstellungsmacher sind die Schülerinnen und Schüler des Seminarkurses Philosophie am Domgymnasium. Sie haben sich seit Beginn der Oberstufe unter der Leitung von Frau Teubner mit diesem sehr komplexen und existentiellen Thema beschäftigt und es künstlerisch umgesetzt.

Grundlage waren Texte von Autoren, die vor allem der philosophischen Anthropologie gewidmet sind. Als Beispiele seien hier der Sozialphilosoph Arnold Gehlen, Helmuth Plessner, Karl Marx oder Hannah Arendt genannt. Mehr als ein halbes Jahr lang hat sich der Kurs in einem ersten Schritt theoretisch damit auseinandergesetzt, wie der Mensch sich als Mängelwesen in der Natur behaupten konnte, nämlich als Macher mit Hilfe der Technik, und wie er sich zugleich durch letztere als Mischling zunehmend von seinen natürlichen Wurzeln entfremdet hat.

Schritt zwei, und damit eine besondere Herausforderung an die Kursteilnehmer, war die künstlerische Umsetzung. Unterstützt wurden sie von drei Künstlern: Dietmar Block für Skulptur und Malerei, Sophron für Videokunst und Fritz Fabert für Fotografie.

Genau dies spiegelt sich auch in der Ausstellung wider. Stefanie Thieme hat sich vor allem für die Entwicklung des Menschen unter Beeinflussung und Nutzung der Technik interessiert. Entstanden ist eine Skulptur, die zeigt, wie dieses "Mängelwesen" Mensch seine natürlichen Unzulänglichkeiten mit der Technik kompensiert und so in einen Kreislauf zunehmender Abhängigkeit gerät.

Lea Mausser zeigt unter dem Titel "Der Mensch lebt nur, indem er ein Leben führt" fotografisch auf, wie der Mensch, der als einziges Wesen zur Selbstreflexion befähigt ist, sich selbst entwirft oder entwerfen muss. Aus seinen erschaffenen künstlichen Dingen entsteht Kultur. Diesen Gegensatz zwischen der Natur und der vom Menschen geschaffenen künstlichen Welt thematisiert auch Thorid Schwerin in ihrem Bild, das die Schöpfungsgeschichte aufnimmt: die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies als Verlust des Natürlichen, die daraus resultierende Selbsterkenntnis, die wiederum mit der Entwicklung einer durch Technik vorangetriebene Kultursphäre einhergeht. Die Schattenseiten der menschlichen "Gier nach Neuem" und des kaum zu stillenden Konsumbedürfnisses stellt Marlene Eberlein in ihren Fotografien dar. Entstanden ist außerdem ein sehr aufwändig gemachter Film aus Zeichnungen von Rebecca Ricker, ein Technik-Quiz und ein Würfelspiel.

In der Ausstellung hängen die Kunstwerke und ein erklärender Text der Schülerinnen und Schüler stets nebeneinander, ein sehr hilfreicher Leitfaden, um sich dieser nicht ganz einfachen philosophischen Thematik anzunähern. Es lohnt sich! Die Ausstellung ist noch bis zum 17. März 2017, Johanniskirchplatz 4 in Brandenburg an der Havel zu sehen.

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