Schöne neue Welt - Ein Besuch im Hans-Otto-Theater
Wie schön ist die "Schöne neue Welt"? 1932 erschien Aldous Huxleys Roman "Brave New World". Der Autor wollte seine Leser schon damals vor den Schattenseiten von Technisierung, Säkularisierung, Rassenhygiene und Amerikanisierung warnen und ihn zum Nachdenken bringen. Nun gewinnt der Roman zu Beginn dieses Jahres 2017 brisante Aktualität. Viel Diskussionsstoff für die Englischkurse des Jahrgangs 12 und Anlass genug für den Besuch des gleichnamigen Theaterstücks im Potsdamer Hans-Otto-Theater am 18. Januar 2017.

Mit dem Erwachsenwerden und dem baldigen Ende der Schule lernt man, sich mit der Zukunft und der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Was werde ich aus meinem Leben machen? Wie kann ich die Zukunft beeinflussen? Wie wird die Gesellschaft aussehen?

Das sind Fragen, mit denen sich jeder einmal auseinandersetzt. Dabei entdeckt man schnell Utopien und Dystopien. Der Roman "Brave New World" von Aldous Huxley thematisiert diese "schöne neue Welt", Inbegriff der Utopie. Auf der einen Seite findet man eine scheinbar perfekt funktionierende Gesellschaft, in der das Leben von Drogen, Geschlechtsverkehr und einer klaren Ständeordnung geprägt wird.

Außerhalb dieser Gesellschaft, von einem Starkstromzaun abgetrennt, gibt es noch die "alte Welt". Hier folgt jeder Mensch dem natürlichen Lebenszyklus, und es gibt Moral, Religion und Literatur.

Huxley lässt nun beide Seiten aufeinander treffen und schafft so eine klare Differenzierung beider Welten. Im Verlauf des Romans beginnen die Protagonisten über ihre "schöne neue Welt" nachzudenken, sie anzuzweifeln und deren Fehler zu erkennen.

Die Englischkurse der zwölften Klasse haben das Buch gelesen und sich die Inszenierung eben jenes Romans im Hans-Otto-Theater in Potsdam angesehen.

Zu Beginn der Aufführung wurde das Publikum in zwei Gruppen geteilt. Die eine verschwand vor Beginn durch eine Tür auf die Hinterbühne. Die andere Gruppe saß im Parkett mit Blick auf die dreckige Bühne, auf der vor einer großen Wand ein altes Auto stand. Es steht für die alte Welt, die durch Verfall, Ausgrenzung, aber auch Freiheit und Selbstbestimmung geprägt ist.

Die Hinterbühne war komplett rosa, und es wurde die "schöne neue Welt", ihre Werte Sterilität, Gemeinschaftlichkeit, Einheitlichkeit und Monotonie dargestellt. Dabei wurde sehr deutlich, dass den Personen ihre Persönlichkeit genommen wird und sie nur noch nach sexueller Befriedigung und der Droge Soma streben.

Nach der Pause wurden beide Gruppen im großen Saal zusammengeführt. Der "eiserne Vorhang", eine Wand zwischen den beiden Welten, wurde geöffnet, so dass beide Welten miteinander kollidieren.

Das Theaterstück war sehr intensiv, da das Publikum direkt mit eingebunden war. So wurde nach Stil des Brechtschen Theater im ersten Akt mit den Zuschauern gespielt. Sie übernahmen die Rolle der Studenten, die durch die "schöne neu Welt" geführt werden. Durch das aktive Teilnehmen des Zuschauers war der erste Akt sehr unterhaltsam und fesselnd.

Der zweite Akt dagegen hatte durch die große Distanz zur Bühne seine mitreißende Wirkung verloren. Außerdem gab es viele sehr rasche Wendungen und eine schnelle szenische Abfolge. Das machte es für ungeübte Zuschauer, die das Buch nicht gelesen haben, zu einer unverständlichen und zu bunten Vorstellung.

Anton Hensky und Leonie Schmidt, Klasse 12