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Das moralische Dilemma in der Ethik
Seit Beginn des 2. Halbjahres in der 11. Klasse beschäftigt sich der Religionskurs von Frau Lockemann mit dem Thema Ethik. Es geht um moralische Dilemmata. Dabei lag ein Schwerpunkt in den letzten Wochen auf dem Thema "Abtreibung".

Angefangen haben wir im Unterricht damit, uns die Definition von Ethik anzuschauen. Sie umfasst viele Teilbereiche. Die normative Ethik, die uns hier besonders interessiert,  beschäftigt sich mit der Kernfrage nach dem richtigen moralischen Handeln und welche Prinzipien diesem zugrunde liegen können. Für jede Moraltheorie haben immer zwei Schüler*innen ein Padlet, ein Plakat, erstellt. Aus diesen Padlets haben wir dann ein großes Padlet gemacht. Dieses bietet eine gute Übersicht.

Alle Ansätze beschäftigen sich mit der Lösung von moralischen Dilemmata, die man sowohl in der realen Welt als auch in der Literatur findet. Dilemmageschichten sind uns Schülerinnen und Schülern, die wir in den letzten Jahren im Deutsch-, Politik oder Religionsunterricht nicht geschlafen haben, nicht ganz unbekannt. Folgende Dilemmata sind uns in den letzten Jahren schon begegnet:

- Der Besuch der alten Dame: Tod eines Menschen, um eine Stadt vor Verarmung zu retten? -

Kabale und Liebe: Die große Liebe oder Gehorsam gegenüber dem Vater?

- Terror: Soll ein Flugzeug mit Ziel eines Terroranschlags auf ein Stadion abgeschossen werden? Tod von 164 Menschen zur Rettung von über 7000 Menschen oder Tod von 7164 Menschen? 

- Der Vorleser: Bloßstellung einer geliebten Person, um sie vor harter Strafe zu bewahren, die die Person wortlos in Kauf nimmt?

Das Thema Schwangerschaftsabbruch gehört zu den hochsensiblen moralischen Fragen unserer Gesellschaft. Die Proteste in Polen gegen die Verschärfung des schon sehr strengen Abtreibungsrechts sind in den letzten Wochen durch die Medien gegangen. Die Frauen, aber auch Männer, die dort demonstrieren, protestieren aus verschiedenen Gründen: um nicht als Mörder*innen verunglimpft zu werden und sie wollen das Recht verteidigen, in bestimmten Fällen abtreiben zu dürfen bzw. eine Abtreibung durchführen zu können, ohne strafrechtlich belangt zu werden. Nicht wenige Frauen aus Polen gehen in ihrer Notsituation zu deutschen Frauenärzt*innen, die direkt an der polnischen Grenze ihre Praxis haben.

Das Thema Abtreibung ist ein sehr ernstes Thema und führt immer wieder zu spannenden und sehr kontroversen Diskussionen, so z.B. im jahrzehntelangem Streit um die Reform des § 218 in der Bundesrepublik Deutschland. Genau wie die Sterbehilfe ist der Schwangerschaftsabbruch in den Augen einiger Menschen, Gruppen oder politischer Parteien eine Straftat. Ärzt*innen, die Sterbehilfe leisten oder die Abtreibungen durchführen, werden als Mörder*innen bezeichnet oder können wegen Mordes oder Beihilfe zu solchem angeklagt und zu harten Strafen verurteilt, wenn in einem Land eine entsprechend strenge Gesetzgebung gilt.

Ist das gerechtfertigt? Ist ein Schwangerschaftsabbruch Mord, wie Abtreibungsgegner auf ihre Plakate schreiben? Darüber kann man stundenlang und ausführlich diskutieren, aber man wird letztlich zu keinem Ergebnis kommen, zu stark gehen die Meinungen oft auseinander. Es gibt aus allen möglichen Perspektiven Argumente, die einleuchtend erscheinen, aber es wird nie eine Lösung geben, die alle Parteien glücklich macht. Angeführt werden zum Beispiel folgende Argumente und Fragestellungen: Das 5. Gebot (Du sollst nicht töten), doch wann fängt Leben an? - Das Recht auf Selbstbestimmung der Frau - Fremdbestimmung (Schutz des ungeborenen Lebens durch den Staat und seiner Gesetze zum Schutz ungeborenen Lebens.

Wir haben uns dann im Unterricht einer fiktiven Geschichte zugewandt, die in der realen Welt sich so ereignen könnte.

Ein 17-jähriges Mädchen ist ungewollt schwanger. Ihr Freund, der Vater des Kindes, und ihr/e beste/r Freund/in wissen von der Schwangerschaft. Nun treffen sich die drei mit der Mutter des Mädchens zum Kaffeetrinken. Dabei soll der Mutter von der Schwangerschaft berichtet werden.

Wir haben in 4er-Gruppen einen Dialog geschrieben, der die unterschiedlichen Positionen der handelnden Personen wiedergibt. In meiner Gruppe haben wir erst einmal eine Weile überlegt, welche Einstellung die Personen haben sollen und wie die Grundsätze der Figuren die Diskussion vorantreiben können. Das war gar nicht mal so einfach. Die Ansätze bei dieser Geschichte sind so vielfältig. Insgesamt gab es in unserem Kurs 5 verschiedene Dialoge, also 5 verschiedene Lösungsansätze. Ich habe einmal unsere Dialoge gesammelt und ausgewertet. Die Ergebnisse habe ich in zwei verschiedenen Download LinkGrafiken zusammengefasst.

Sie können ja selber mal überlegen, wie Sie als einer der handelnden Personen reagieren würden. Was wäre Ihre Lösung? Welchen Ansatz würde Sie verfolgen? Kämen Sie zu einer Lösung, die allen Beteiligten hilft? Handeln Sie eher nach Gewissen und Gefühl oder leiten Tatsachen ihre Entscheidungen? Welche Entscheidungen treffen Sie nach Rechtsgrundlagen und welche nicht?

Durch unsere Diskussion sind wir bei zwei weiteren ethischen Fragen angekommen, die wir dann debattiert haben. Viele Menschen argumentieren - wie oben erwähnt - beim Thema Abtreibung mit dem 5. Gebot (Du sollst nicht töten!). Doch wenn das für Menschen gilt, was ist dann mit den Tieren? Aus wissenschaftlicher Sicht könnte man sagen, dass wir Menschen auch nur Tiere sind und durch den Urinstinkt töten wir andere Tiere, um selber zu überleben. Laut dem deutschen Gesetz sind die Tiere nur Gegenstände, so dass sie weniger Rechte haben als wir Menschen. Allerdings könnte man auch den Auftrag Gottes an den Menschen im Schöpfungsbericht als Gegenargument bringen. Dort steht, dass der Mensch die Schöpfung Gottes bewahren soll und die Tiere gehören da natürlich auch dazu. Letzte Woche haben wir als Abschluss noch über die Todesstrafe diskutiert. Sollte man sie komplett abschaffen? Sollte sie nur bei einigen Verbrechen zum Einsatz kommen und wenn ja bei welchen? Widerspricht die Todesstrafe dem 5. Gebot?

Mich, als Redakteurin, interessiert auch ihre Meinung zu den ethischen Themen. Dafür habe ich eine kleine Umfrage mit neun Fragen erstellt. Ich würde mich freuen, wenn Sie an dieser Umfrage teilnehmen würden. Sie müssen sich auch nirgendwo anmelden und die Antworten sind natürlich anonym, so dass ich nicht nachvollziehen kann, wer was angegeben hat. Ich würde mir nur gerne mal ein Meinungsbild machen. Vielen Dank schon einmal im Voraus!

Fabienne Schäfer, Jahrgang 11