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30 Jahre Deutsche Einheit - eine Zeitreise
In diesem Jahr feiern wir ein besonderes Jubiläum – 30 Jahre Deutsche Einheit. Um zu verstehen, wie die Wiedervereinigung ablief und was überhaupt zur Teilung Deutschlands führte, nahm die elfte Klasse am 29. September 2020 an einer "Live-Doku" zum Thema "Deutschland in Europa – Die Deutsche Einheit" teil.

Ingo Espenschied, der uns durch die Dokumentation geführt hat, ist Diplom-Politologe und Produzent, sowie der Entwickler des Formats „DOKULIVE“. Dabei berichtete er mit Hilfe einer Präsentation zu einem bestimmten Thema, wie der Deutschen Einheit oder anderen Themen (Zum Beispiel: Grundgesetz, Elysée-Vertrag usw.). Wir sind alle weit nach der Wiedervereinigung geboren und kennen die Teilung Deutschlands oft nur aus Erzählungen. Unsere Zeitreise startete in der DDR der 1960er Jahre. Es war eine Zeit in der viele Leute aus der DDR wegen der schlechten politischen und wirtschaftlichen Lebensbedingungen in den freien Westen flüchteten. Diese Entwicklung gefiel der SED-Führung natürlich nicht, was sie dazu bewegte eine Mauer zu errichten. Herr Espenschied zeigte uns eine Aufnahme vom damaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden Walther Ulbricht und dessen berühmt gewordenen Wörtern zum Bau einer Mauer, kurz vor der Errichtung derselben. Bei dem Satz „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten" ging ein Raunen durch die geladenen internationalen Pressevertreter, weil überhaupt nicht direkt nach dem Bau einer Mauer gefragt worden war. Versehen oder strategischer Versprecher? Schwierig zu sagen, aber diese Aussage ging als eine der bekanntesten Lügen in die deutsche Geschichte ein.

Mit Hilfe einer Animation wurde uns der Aufbau der Berliner Mauer erläutert. Dabei war füur uns besonders traurig und schockierend, dass es mindestens 139 Menschen gab, die von DDR-Grenzsoldaten erschossen wurden. Dieser von der SED betitelte "Antifaschistische Schutzwall" hielt die DDR-Bürger vom Reisen ab und beschränkte sie in ihrer Freizeit. Dies war sicherlich einer der wichtigsten Beweggründe, der die Menschen am Ende der 1980er Jahre auf die Straße zog. Was in Leipzig mit dem „Neuen Forum" und den Protesten an der Nikolaikirche begann, entwickelt sich schnell zu Massenprotesten. Die Wahl Gorbatschows in der ehemaligen Sowjetunion und dessen Reformpläne machten den Bürgern der DDR Hoffnung auf Veränderungen. Auch die Tatsache, dass die Armee der Sowjetunion die Proteste nicht niederschlug, brachte viele Leute dazu, ihre Meinung öffentlich kundzutun und zu demonstrieren. Mit mindestens einer halben Million Teilnehmern, bildete die Demonstration am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz nicht nur den Höhepunkt der Proteste, sondern ist gleichzeitig auch die größte Demonstration, die es je auf deutschem Boden gegeben hat. Dies brachte die SED-Regierung dazu, eine neue Reiseregelung zu erlassen, die es den DDR-Bürgern erlaubte, das Land, auf der anderen Seite der Mauer zu besuchen. „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich" – die Worte Günther Schabowskis, die viele DDR-Bürger am selben Abend dazu brachte, ihr neues Reiserecht zu nutzen. So wurden viele Grenzübergänge, wie der an der Bornholmer Straße in Berlin, mehr oder weniger "überrannt".

Bis es dann aber zur Wiedervereinigung kam, verging nochmals ein Jahr. Laut Herrn Espenschied lagen die Gründe dafür zum Beispiel bei der Zögerlichkeit der BRD, sowie der Skepsis der Alliierten und der europäischen Nachbarländer. Dort hatte man Angst, dass ein wiedervereintes Deutschland eine zu dominante Rolle in Europa einnehmen könnte, anderen Mächten überlegen ist oder auch im zweiten Weltkrieg verlorene Gebiete wieder zurückfordern würde. Diese Befürchtungen herrschten vor allem in Großbritannien und Frankreich. Unter der Voraussetzung, dass ein vereintes Deutschland keinen Anspruch auf ehemalige Gebiete erhob, keine Revision der deutschen Ostgrenze zu Polen forderte und der NATO zugehörte, stimmten aber auch sie zu und auch die Sowjetunion tat dies. Am 3. Oktober war es dann soweit und die DDR trat der BRD bei – Deutschland war wieder vereint. Die Zeit nach der Wiedervereinigung war wegen der wirtschaftlichen Umbauprozessen sehr schwierig und schmerzhaft. Zahlreiche Fabriken, Betriebe und Institutionen wurden geschlossen, so dass viele ihre Arbeit verloren. Heutzutage wird die Wiedervereinigung von den meisten ehemaligen DDR-Bürgern insgesamt als positiv bewertet, trotzdem gibt es auch viel Kritik. Zwar sei die neugewonnene Freiheit sehr positiv, so der Politologe, trotzdem höre man oft den Satz: " "Es war nicht alles schlecht". So habe es in der DDR Wohnraum für alle, Kindergartenplätze für jedes Kind und ein größeres Gemeinschaftsgefühl gegeben. Laut Ingo Espenschied würden vielen Ostdeutschen diese Aspekte heutzutage fehlen.

Zum Schluss haben gab es noch die ein oder andere Frage, die wir Herrn Espenschied noch stellen konnten. Hier die wichtigsten Fragen aus der Fragerunde und aus einem danach geführten Interview:

Frage: Wie lange brauchen sie ungefähr, um solche Veranstaltungen vorzubereiten?

Antwort: Um eine Produktion vorzubereiten, brauche ich ungefähr ein Jahr. Das heißt Recherche, Schreiben des Drehbuchs, Programmierungen und "Einstudieren". Das bedeutet nicht, dass man Wort-für-Wort lernt. Man weiß, was man sagen möchte und man entwickelt einen Text, aber es wird alles frei gesprochen. Meine Stichpunkte sind die Bilder.

Frage: Wie kamen sie auf die Idee, sich mit diesen Themen zu beschäftigen und sie auch zu vermitteln?

Antwort: Ich wollte spannende Vorträge machen zu interessanten und politischen Themen. Ich bin ja auch Politikwissenschaftler und interessiere mich besonders für Politik und Europa. Ich habe mir vorher auch überlegt, wie ich die Themen spannend und relevant übermitteln kann.

Frage: Wie stehen sie dazu, dass mit der Partei "Die Linke" die Nachfolgepartei der SED im Bundestag vertreten ist?

Antwort: Dazu muss sich "Die Linke" selbst Fragen stellen. Angefangen damit, wo das ehemalige SED-Vermögen ist, bis dahin, wie sie heute zur DDR-Diktatur stehen. Ich denke außerdem, dass "Die Linke" eine Partei ist, in der es verschiedene Ströme gibt. Es gibt Mitglieder, bei denen ich sage, sie sind moderat und mit denen ich auch als überzeugter Demokrat leben kann, mit anderen Strömungen allerdings dann eher nicht.

Frage: Spüren sie heute noch einen Unterschied zwischen Ost und West?

Antwort: Wenn es noch ein Ossi-Wessi Denken gibt, dann vor allem eher bei der älteren Generation. Das war in den ersten ein bis zwei Jahrzehnten so und vor allem im ersten Jahrzehnt nach der deutschen Wiedervereinigung relativ stark. Aber bei der jungen Generation bis ungefähr 25 Jahre ist das glücklicherweise nicht mehr vorhanden und das ist wirklich eine große Leistung, die mich mehr zuversichtlich stimmt. Ich denke, man kann auch verstehen, dass wenn jemand 40 Jahre in einem System aufgewachsen ist, man dadurch noch geprägt ist. Aber wenn ihr, eure Generation, jetzt sagt, das macht für euch keinen Unterschied mehr, mache ich mir diesbezüglich für die Zukunft unseres Landes keine großen Gedanken und ich finde das großartig. Zwar gibt es immer noch viele regionale Unterschiede und das ist auch gut so, aber deswegen muss man nicht mehr in Ost und West denken. Und in Ossi und Wessi zu denken, zeigt auch, dass man immer noch eine Schere im Kopf hat und geteilt denkt.

Frage: Waren Modeartikel oder Zeitschriften aus der BRD damals wirklich so begehrt in der DDR?

Antwort: Eigentlich schon. Ich kann es leider nicht aus eigener Anschauung berichten, weil ich keine Verwandtschaft im Osten hatte. Wir hatten zwar eine Klassenfahrt, bei der wir auch nach Ostberlin konnten und das war mein persönlicher DDR Tag. Ostberlin war immer ein bisschen das Besondere der DDR, es war repräsentativer als der übrige Teil der DDR. Aber aus Erzählungen und Dokumentationen kann ich sagen, dass Westprodukte sehr beliebt waren, besonders Schallplatten und Jeans. Dafür hat man dann auch viel Geld ausgegeben und viel in Bewegung gesetzt, um diese Sachen zu kriegen. Zwar hatte die DDR auch eigene Produkte, diese sind aber bei der jungen Bevölkerung nicht so gut angekommen. Es gab auch einfach nicht die Marken, die es im Westen gab.

Lennard Niqué, Jg. 11