Freundschaft auf Chinesisch
Ni haou! – Auch das ist Chinesisch und heißt übersetzt: Guten Tag! Wer Schüler oder Lehrer am Evangelischen Gymnasium am Dom zu Brandenburg ist, hat die Chance, China nicht nur sprachlich, sondern auch hautnah kennenzulernen. Im Rahmen unserer Schulpartnerschaft mit der Shanghai Jiading Zhongguang High School bekommen wir jeden Sommer Besuch aus Shanghai und freuen uns auf eine Reise nach China im Oktober.

So reisten vom 07.10. bis 21.10.2016 insgesamt 15 unserer Schüler mit Fr. Lange und Fr. Teubner ins Land der aufgehenden Sonne. Wir starteten am 07.10. sehr früh am Morgen, aber dennoch gutgelaunt und vollzählig vom Flughafen Berlin-Tegel unseren Flug. In Amsterdam musste ein 4-stündiger Zwischenstopp eingelegt werden, den wir nutzten, um Tänze und Lieder für das Abschiedsfest kurz vor der Abreise einzustudieren, bei dem traditionell die Besucher ein Programm vorführen. Beim Besuch der Chinesen unserer Schule im Sommer wurden wir mit einer großartigen Performance verwöhnt, die uns sowohl moderne als auch traditionelle chinesische Kultur zeigte. Nun war es an uns, die Annemarie-Polka, einen Kanon und weitere Teile unseres Programms professionell einzustudieren.

Der Flug von Amsterdam nach Bejing (Peking) dauerte 10 h und forderte uns viel Sitzfleisch ab. Wir landeten müde, aber wohlbehalten um ca. 7 Uhr morgens chinesischer Ortszeit in Peking und wurden dort von Lilly, Mr. Chang und Mr. Sun abgeholt. Lilly und Mr. Chang sind Lehrer an unserer Partnerschule in Shanghai und reisten extra für uns nach Peking, um uns dort zu begleiten. Mr. Sun war unser Reiseleiter; er sprach ausgezeichnet Deutsch und gestaltete für uns ein wunderbares 3-tägiges Programm in Peking, bei dem er uns nicht von der Seite wich und sich liebevoll auch um die kleinsten Details kümmerte.

So fuhren wir direkt vom Flughafen zum Sommerpalast der chinesischen Kaiser und bekamen von Mr. Sun eine kurze Einführung in dessen Historie und die chinesische Gartenkultur. Die Residenzen der chinesischen Kaiser beschränkten sich nämlich niemals nur auf beeindruckende Paläste, sondern erstreckten sich auch auf wunderschön angelegte Gärten mit kleinen Kanälen, Brücken, Teichen, Bäumen und Pflanzen, kunstvoll behauenen Steinformationen und Pavillons. Im Anschluss genossen wir unsere erste chinesische Mahlzeit in einem Restaurant, in dem die für Peking typischen Teigtaschen gereicht wurden. Am Nachmittag dann besuchten wir den Himmelstempel, ein ebenso beeindruckendes wie historisches Bauwerk. Unser Abendessen durften wir in einem Restaurant genießen, in dem eine traditionelle Peking-Oper aufgeführt wurde. Als wir dann am Abend aber endlich in unsere Hotelbetten sanken, waren wir alle doch sehr müde nach einem langen Flug und unserem ersten aufregenden Tag in China.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf zum Platz des himmlischen Friedens, so gesehen dem politischen Zentrum Chinas. Mit uns pilgerten tausende Chinesen dorthin und wir bekamen einen einprägsamen Eindruck von der Bevölkerungsdichte dieses Landes. Der Platz grenzt direkt an den Eingang der Verbotenen Stadt, die jahrhundertelang die Residenz der chinesischen Kaiser und so gesehen das historische politische Zentrum Chinas war. War sie früher nur für die Kaiserfamilie und die kaiserlichen Beamten zugänglich, darf sie heute besichtigt werden, was wir ausgiebig taten. Am Nachmittag schlenderten wir durch die Altstadt von Peking, ließen ein wenig die Seele baumeln und bummelten zwischen traditionellen Häusern und Gärten. Am Abend erlebten wir dann ein absolutes Highlight: In einem Theatersaal einer Sportschule waren wir Zuschauer einer spektakulären Kung-Fu-Vorführung mit Musik, Tanz und einer überwältigenden Bühnenkulisse. Dieser wundervolle Tag wurde abgerundet mit einem Essen der traditionellen Peking-Ente. Das war zweifelsohne einer unserer kulinarischen Höhepunkte der Reise!

Am dritten Tag unserer Reise fuhren wir mit dem Bus zur Großen Chinesischen Mauer, die etwa 2 ½ Autostunden von Peking entfernt über eine Kabinenbahn zugänglich ist. Dieses beeindruckende Bauwerk einmal live zu sehen und zu begehen, war für uns ein riesiges Erlebnis. Mr. Sun führte uns im Anschluss in ein tolles Restaurant in einer ländlichen Gegend in der Nähe der Ming-Gräber. Hier aßen wir Pfannkuchen, in die wir Gemüse, Fleisch und leckere Soßen füllten, um sie wie Frühlingsrollen eingerollt zu essen. Stand der Tag bis zum Mittagessen noch ganz im Zeichen des traditionellen Chinas, lernten wir dann das moderne China kennen: Zurück in Peking besuchten wir das Olympische Zentrum, ein Areal der modernen architektonischen Superlative.

Am nächsten Morgen mussten wir Abschied nehmen von Peking und von Mr. Sun. Am Hauptbahnhof wartete der Schnellzug von Peking nach Shanghai auf uns. In nur 5 h fuhren wir 900 km. Auf unserer Fahrt durch Shanghai zu unserer Partnerschule bekamen wir einen ersten Eindruck vom quirligen Verkehr in dieser riesigen Stadt. In der Schule wurden wir überschwänglich und herzlich begrüßt; die Schüler wurden von ihren Gastfamilien abgeholt, bei denen sie nun 9 Tage leben durften.

In Shanghai erlebten wir wieder eine tolle Mischung der traditionellen und modernen chinesischen Kultur: In der Schule bastelten wir Seidenblumen, tanzten einen Drachentanz, töpferten chinesische Keramik, erhielten Unterricht in Kalligraphie (und lernten unsere Namen auf Chinesisch zu schreiben) und wurden in die traditionelle chinesische Teezeremonie eingeführt. Aber wir machten auch Ausflüge ins Zentrum Shanghais und schauten vom Shanghai TV Pearl Tower in die riesige, weite Stadt mit ihren überragenden Neubauten, machten eine nächtliche Bootsfahrt auf dem Huangpu, schlenderten an der Uferpromenade des BUND und besuchten das Shanghai Museum. Wer bis jetzt glaubte, dass antike chinesische Vasen langweilig sind, wurde eines Besseren belehrt. Aber auch in Jiading, dem Stadtbezirk, in dem sich unsere Partnerschule befindet, konnten wir tolle Dinge sehen: Auch hier gibt es wunderschöne Gärten und einen Konfuziustempel; das moderne China ist durch eine VW-Fabrik und einem riesigen Automobilmuseum vertreten, das wir besichtigten.

Wir haben eine tolle und unwiederbringliche Zeit in China erlebt: Wir schlossen tiefe Freundschaften und genossen eine ungeahnte Gastfreundlichkeit sowie tolles Essen. Wir  haben in kurzer Zeit enorm viel gesehen und erlebt. China hat in uns tiefe Spuren hinterlassen. Wir sind nachdenklich geworden über das Ausmaß der erlebten Umweltverschmutzung und der offenkundigen Schere zwischen Arm und Reich. Wir haben eine Kultur kennengelernt, die auf den ersten Blick total fremd ist, sich aber schon bald über die Menschen, die wir trafen, erschloss. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen und liebevoll umhegt. Unsere chinesischen Freunde, Gastfamilien und Lehrer zeigten uns voller Stolz ihr Land und ließen uns an ihrem Leben teilhaben; sie lehrten uns Respekt. Viele unserer Schüler empfanden am Ende der Reise eine nie dagewesene Dankbarkeit für ihren eigenen Wohlstand zu Hause. Aber wir haben auch gelernt, dass Menschen und ihre Sehnsüchte und Denkweisen in China und in Deutschland gar nicht so verschieden sind, wie oft geglaubt wird; und wir haben erlebt, wie Freundschaft eine Brücke zwischen zwei so gegensätzlichen Kulturen schlagen kann.

Beim Abschiedsfest tanzten am Ende alle zusammen die Annemarie-Polka. Der Abschied fiel uns sehr schwer und es flossen viele Tränen. Wir bedanken uns bei allen Familien und Organisatoren in unserer Partnerschule, der Shanghai Jiading Zhonguang High School, die uns diese großartige Zeit ermöglicht und uns rund um die Uhr so liebevoll umsorgt haben. Diese Schulpartnerschaft ist etwas ganz Besonderes und wir werden sie hegen und pflegen. Wir freuen uns riesig auf den Gegenbesuch im Juli 2017 und hoffen, dann wieder etwas zurückgeben zu können. Bis dahin: zaijian! Auf Wiedersehen!

Autorin: Martina Teubner

Meine Erfahrungen in China

"Wenn drei Menschen zusammen gehen, muss einer davon mein Lehrer sein." – Konfuzius

Ausgerechnet der berühmteste Chinese bringt meine Erlebnisse auf der Reise nach und in China auf den Punkt. Konfuzius will damit zum Ausdruck bringen, dass wir von fast jedem und allem etwas lernen können, selbst wenn wir es nicht erwarten.

Ich wurde in gewisser Weise von drei Wanderern unterwiesen: So lernte ich vom alten China und vom modernen China sowie vom alltäglichen China, welches zwischen Kultur und Aufschwung changiert.

In den zwei Wochen in China im Oktober 2016 erfuhr ich wie nie zuvor einen Kulturschock, wobei ich dies ganz ohne negative Konnotation meine. Ich durfte - wenn auch nur einen Bruchteil davon - die chinesische Geschichte kennenlernen, mit ihrer Mauer, ihren Tempeln und ihren Dynastien. Ebenso erlebte ich aber auch alte chinesische Bräuche wie Teezeremonien und Wunschtäfelchen. Nicht zuletzt konnte ich auch die chinesische Küche probieren, die sämtliche Geschmacksrichtungen von unheimlich wohlschmeckend bis „interessant" zu bieten hat.

Doch all das ist nur eine Seite der Medaille. Dem gegenüber steht das moderne China mit seinen Wolkenkratzern und schillernden Metropolen. Ich durfte bei meiner Gastfamilie lernen, dass die wirtschaftlichen Entwicklungen in China Wohlstand mit sich bringen. Allerdings ist mir bewusst, dass dies zum Einen nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung zutrifft und deshalb zum Anderen mit einem enormen Leistungsdruck verbunden ist. An Taotao, meinem Gastschüler, konnte ich sehen, dass der Weg auf der Karriereleiter womöglich vielversprechend, im Gegenzug aber mit unfassbaren Entbehrungen verbunden ist. Wir beklagen uns über Unterrichts- oder Arbeitstage von acht bis achtzehn Uhr. Doch nicht wenige Schüler in China „dürfen" nach ebenso langen Tagen mit frontalem Unterricht noch mehrere Stunde Hausaufgaben erledigen.

Das tatsächliche, spürbare China bewegt sich zwischen alt und neu. So bleibt dem Schul- und Arbeitsstress zum Trotz die Zeit für Teezeremonien. Und so kommen viele bei einem guten Steak auf den Geschmack der westlichen Küche. Zwischen dem Historischen und dem Modernen befindet sich aber auch ein China, das sich Volksrepublik nennt, obwohl es weder volksnah ist, noch nach meinem Verständnis eine Republik. So heißt "sozial" für mich zum Beispiel nicht, bei Krankheit um einen Platz im Krankenhaus nur beten zu können. Mir ist bewusst, dass wir in politischen Belangen (und darüber hinaus) nicht das Recht gepachtet haben. Doch nach meinem Verständnis funktioniert Meinungsfreiheit und politische Partizipation anders.

Auf keiner anderen Reise wurde mir so bewusst, welches Glück ich habe, hier geboren zu sein. Ich bin sehr froh, in einem Land wie Deutschland zu leben und habe nicht vor, länger in China zu leben. 

Nichtsdestoweniger hat mich dieses Land nicht zum letzten Mal gesehen. Allein die dort und hier geschlossenen Freundschaften sind Anlass genug, den langen Flug noch einmal durchzustehen, wobei selbst dieser unvergessliche Eindrücke mit sich brachte.

Lukas Ebeling, 12. Jahrgangsstufe