Eine wunderschöne Reise nach Saratov
Und noch eine Schulpartnerschaft wurde in der gleichen Woche gepflegt. Am 9.7.2017 ging es für eine Gruppe von Russischlernern mit Frau Becker und Frau Seidel auf Reise nach Saratov, um dort die Partnerschule, das Lyzeum N° 37, zu besuchen. Ein intensives Eintauchen in die russische Lebenswelt mit spannenden Erlebnissen und Eindrücken. Entstanden ist ein ausführlicher Reisebericht.

Sonntag, der 09.07.2017 - Anreise nach Russland

Eigentlich sollte es am Samstag schon losgehen, aber unser Flug nach Moskau wurde gecancelled. So trafen wir uns am Sonntag wieder alle um 10 Uhr am Flughafen Schönefeld. Einerseits waren wir viel entspannter als am Vortag, wir hatten ja alles schon mal geprobt und waren nun auch viel besser vorbereitet, doch andererseits – ob diesmal alles klappen würde?
Doch alles ging gut und wir saßen (mehr oder weniger) pünktlich im Flugzeug, der Flug verlief ruhig und wir kamen alle gut in Moskau am Flughafen SVO an. Dort erhielten wir wieder unsere Koffer, wechselten noch Geld. Der Kurs war aber sehr schlecht. Wir bekamen nur 44 Rubel pro 1 Euro und fuhren dann mit dem Aeroexpress und der Metro zum Pavelezki-Bahnhof, von dem aus der Nachtzug abfahren sollte. Die Moskauer U-Bahn war wirklich ein Erlebnis, denn man kam sich bei ihrer Pracht eher so vor, als würde man durch ein unterirdisches Schloss wandeln. Am Bahnhof hatten wir dann etwas Aufenthaltszeit, in der wir uns umschauen und Verpflegung für den Zug kaufen konnten.
Gegen 20 Uhr Moskauer Zeit hieß es dann: Alle einsteigen! Da wir ja spontan einen anderen Zug buchen mussten, waren wir nicht alle zusammen in den Abteilen - das waren die kleinen Zimmerchen im Zug mit je 4 Betten-, sondern mussten uns allein oder maximal zu zweit den Raum mit Fremden teilen, die ebenfalls nach Saratov wollten. Doch die mitfahrenden Reisegäste waren wirklich nett und wir nutzten die Gelegenheit, gleich mal die ersten russischen Worte und Sätze zu üben, wodurch wir auch einiges über unsere Zimmernachbarn erfuhren.
Der Zug selbst war alles andere als luxuriös, und die Toilette ließ auch sehr zu wünschen übrig, aber immerhin bekamen wir alle Hausschuhe und ein kleines Lunchpaket geschenkt und es standen uns Handtücher und ein Samovar mit heißem Wasser für Tee und Kaffee zur Verfügung.

Montag, der 10.07.17

Am nächsten Morgen gab es nicht viel zu tun, außer unsere Sachen zusammen zu packen. Der Zug kam pünktlich um 12.40 Uhr in Saratov am Bahnhof an, an dem unsere Gastfamilien schon auf uns warteten. Nach herzlicher Begrüßung und dem ersten Kennenlernen fuhr jeder mit seiner Gastfamilie heim, wo ein Mittagessen und eine Dusche bereit standen. Um 15 Uhr trafen wir uns alle wieder in der Schule. Dort hatten unsere Gastschüler, einige Lehrer und die Schüler der ersten Klasse ein buntes Programm mit Gesang, Tanz und Gedichten vorbereitet und auch wir durften ein wenig auf den traditionellen russischen Instrumenten spielen. Das Konzert ging etwa 2 Stunden und im Anschluss gingen wir zum zentralen Platz der Stadt, auf dem ein Zirkusgebäude und ein großer Markt waren. Von dort aus startete eine Stadtführung bei der wir allerlei über die Geschichte und die wichtigsten Gebäude von Saratov erfuhren. Allerdings verfolgten wir die Rede des Stadtführers wohl nicht ganz so aufmerksam, wie er es verdient hätte, denn alle waren von der Reise erschöpft. Daher waren wir auch ganz froh, dass wir danach heimfuhren und nicht zu noch einer Sehenswürdigkeit geschleppt wurden. Den Abend verbrachten wir gemütlich in unseren russischen Familien. Die meisten hatten extra etwas typisch Russisches für uns gekocht, und lernten unsere Gastgeschwister besser kennen. Die Familien zeigten sich extrem gastfreundlich, was für uns "verschlossene Deutsche" teilweise echt eine neue Erfahrung war. Sie präsentierten ihre Kultur wirklich von der besten Seite, hatten die leckersten Sachen gekauft und sorgten sich auch in allen anderen Bereichen liebevoll um unser Wohlergehen.

Dienstag, der 11.07.2017

An unserem ersten richtigen Tag in Saratov trafen wir uns morgens an der Schule und gingen dann zu unserem "Begrüßungstreffen" mit dem Politiker Igor Alexandrowitsch. Dieser erschien auf den ersten Blick sehr streng und sah genauso aus, wie man sich einen typisch russischen Politiker vorstellte. Doch es stellte sich heraus, dass er sehr freundlich und offen war. Er brannte darauf, uns jegliche Fragen, die wir hatten, zu beantworten. Nur leider waren wir darauf nicht wirklich vorbereitet und wir waren uns auch oft unsicher, was man ihn fragen darf und was zu weit gehen würde. Letztlich stellten wir dann doch ein paar interessanten Fragen. Mich beeindruckte diese Begegnung sehr, vor allem das Schlusszitat Alexandrowitschs, welches ich so schnell nicht vergessen werde. Mit diesem Zitat wollte uns Igor Alexandrowitsch deutlich machen, dass die Menschen, die in diesem Land leben, eigentlich nichts mit der Politik zu tun haben. Diese Worte beeindruckten mich, da viele Deutsche Russland nicht als ein beliebtes Reiseziel wählen würden und meiner Meinung nach auch ein falsches Bild von den Russen haben. Bevor man aber über diese seine Meinung äußert, sollte man einmal selbst in Russland gewesen sein, um zu erkennen, dass so viele Russen unglaublich freundlich und gastfreundlich sind.

Nach dem Besuch bei Igor Alexandrowitsch liefen wir, teilweise auch im Regen, zu einem Café, um Mittag zu essen. Anschließend besuchten wir das ethnografische Museum, in dem wir unter anderem auch erfahren konnten, wie sich Jugendliche früher in Russland kennenlernten. Dazu spielten wir verschiedene Spiele, bei denen alle mitmachen konnten. Danach wurde traditionell Tee aus dem Samowar getrunken und Kekse gegessen.  

Als letztes stand an diesem Tag noch ein Besuch im deutschen Zentrum auf dem Programm. Im Anschluss fuhren wir ohne die Lehrerinnen in einen großen Park Saratovs. Dabei wuchsen wir als Gruppe noch mehr zusammen und konnten uns hier auch nochmal etwas besser kennenlernen

Mittwoch, der 12.07.2017

Der Mittwoch begann mit einer Stadt-Rallye. Wir teilten uns in zwei Gruppen auf. In den Gruppen mussten wir Aufgaben lösen. Die Ergebnisse sollten fotografisch oder mithilfe von kleinen Videos dokumentiert werden. Nach etwa drei Stunden haben wir uns im deutschen Zentrum getroffen, wo wir der jeweils anderen Gruppe unsere Lösungen präsentiert haben. Beim letzten Programmpunkt des Tages wurden wir noch einmal kreativ, als wir typisch russische Holzpuppen bemalt haben. Am Abend ging es mit unseren russischen Austauschschülern in den Stadtpark. Dort sind wir Karussell und Autoscooter gefahren und haben noch ein Eis gegessen.

Donnerstag, der 13.07.2017

Wir haben uns um 10:00 Uhr am Samowar-Museum getroffen. In Russland gibt es eine Vielzahl an Samowar-Museen, jedoch ist dies das Einzige mit Samowars aus verschiedenen Ländern. Dort sind nur Originale ausgestellt und es war sehr interessant.

Nach dem Museumsbesuch wurden wir mit einem Taxi ins Sommerlager „Majak“ gefahren, wo viele Kinder aus Saratow ihre Ferien verbringen. Als wir dort gegen 13:00 Uhr ankamen, wurden wir mit einem Begrüßungstanz empfangen und gleich animiert mitzumachen. Es ging weiter mit einem Programm aus Musik und Tanz für uns, das sehr unterhaltsam gestaltet wurde. Dann ging es weiter mit einer Schatzsuche, die die Interaktion von deutschen und russischen Schülern fördern sollte. Es folgten viele volkstümliche Spiele mit den Kindern aus dem Ferienlager. Wir spielten außerdem Beach-Volleyball. Nachdem wir Mittag gegessen haben, folgte eine weitere Tanzeinlage. Dort haben die deutschen Schüler für die Kinder im Ferienlager vorgetanzt, unter anderem auch den bekannten Volkstanz „Anne-Marie-Polka“. Zum Abschluss dieser tollen Begegnung haben wir zwei Bäume gepflanzt als Zeichen der deutsch-russischen Freundschaft. Zum Ende wurde noch ein Abschlussfoto gemacht und danach sind wir mit einer alten, antiken Straßenbahn zurück zu unseren Gastfamilien gefahren.

Dieser Tag war mein persönlicher Lieblingstag. Es war sehr schön im Sommerlager und man konnte die Freude und das Glück der Kinder deutlich spüren. Dadurch, dass wir sehr gut integriert wurden, war dieser Ausflug für mich ein Highlight unserer Russlandreise.

Freitag, der 14.07.2017

Am Freitag stand eine zweistündige Bootsfahrt auf der Wolga auf dem Plan. Mit einem Eis in der Hand trotzten wir den frischen Temperaturen und genossen die Aussicht auf die unberührte Natur oder auf beeindruckende Bauten am anderen Ufer. Hierbei passierten wir auch die knapp drei Kilometer lange Brücke, die Saratov und Engels verbindet. Nach dem gemeinschaftlichen Mittagessen in einem gemütlichen Café ging es weiter in ein Harmonium-Museum. Hier lernten wir nicht nur einiges über die Geschichte des Harmoniums und seine Bauweise, sondern uns wurde auch die Ehre zuteil, der außergewöhnlichen Musik von teilweise Jahrhunderte alten Instrumenten zu lauschen. Somit ließen wir den Tag im Deutschen Zentrum ausklingen, indem wir unsere Projektarbeit zwischen den russischen Schülern und uns, in Form von kleinen Videos aus dem Alltag, präsentierten. 

 

Samstag, der 15.07.2017

Der Samstag begann in aller Frühe mit einer längeren Busfahrt in das beschauliche Dörfchen namens Loch. Mit von der Partie waren diesmal sogar unsere Gasteltern. Dort angekommen, führte unser Weg zuerst in eine, gelinde gesagt, baufällige Kirche, die jedoch von den Dorfbewohnern wieder aufgebaut wird. Als zweites Frühstück gab es dann eine leckere russische Spezialität: Piroschki, gefüllt mit Kartoffel und Ei. Gesättigt starteten wir unsere eigentliche Exkursion in die Natur. Auch wenn sowohl die drückende Hitze, als auch sämtliche Insekten den Weg beschwerlich machten, waren die endlosen Weiten inklusive interessanter Entdeckungen ein schönes Erlebnis und Erholung von der Großstadt. Ziel der Wanderung war eine kleine Höhle, um die sich einige Sagen woben. Nach einem entspannten Nachmittag im Grünen mit Spielen ging es zurück zum Ausgangspunkt, wo wir schließlich noch eine, durch Wasser betriebene, Mühle besichtigten. Erschöpft und zerstochen ging es am Abend wieder nach Hause, wo - ohne zu übertreiben- auf jeden die ersehnte und erfrischende Dusche wartete. 

Sonntag, 16.07.2017

Unseren letzten Tag in Saratov durften wir noch einmal ohne Lehrerinnen und Programm gestalten. Da unsere russischen Gastschüler aber so engagiert waren und uns so viel wie möglich zeigen wollten, unterschied sich dieser Tag vom Aufbau her kaum von den anderen. Das Einzige, was anders war, war die etwas niedergeschlagene Stimmung. Denn irgendwie waren alle, sowohl wir Deutschen, als auch die Russen, sehr traurig, dass wir heute schon wieder nach Hause fahren würden und wir zudem nicht wussten, ob wir uns vielleicht jemals wiedersehen würden. Auch wenn das kaum möglich erscheint, waren zwischen uns in dieser kurzen Zeit Freundschaften entstanden. Diese Stimmung entstand aber auch dadurch, dass es sehr heiß war und wir alle von der schönen, aber auch anstrengenden Woche völlig erschöpft waren.

Wir besuchten zuerst eine riesige russisch-orthodoxe Kirche, die im Inneren extrem vergoldet und sehr eindrucksvoll war. Wir Mädchen mussten in der Kirche mit einem Tuch unsere Köpfe bedecken.

Nach dem Kirchenbesuch fuhren wir in einen Park, in dem es um den Zweiten Weltkrieg ging. Dort gab es viele Maschinen aus der Kriegszeit, wie zum Beispiel Flugzeuge und Panzer, aber auch viele Gedenktafeln. Am Ende kamen wir zu einer Aussichtsplattform, von der aus man eine weite Sicht auf ganz Saratov und die Wolga hatte. Dann ging es wieder nach Hause zum Essen, „Entspannen“ und Koffer packen. Um 18:30 Uhr trafen wir uns alle am Bahnhof wieder. Wir fingen an zu weinen, weil dieser Abschied irgendwie überraschenderweise doch emotionaler war als gedacht. Bis der Zug um 19:20 Uhr abfuhr, verabschiedeten wir uns, weinten und hielten uns in den Armen.

Im Zug konnten wir uns dann aber wieder ein bisschen aufmuntern, da jeder von uns von unseren Gastfamilien große Mengen Proviant mitbekommen hatte. Die restliche Rückreise verlief bis auf einige Kleinigkeiten relativ reibungslos, und so kamen wir am 17.07.2017 dann gegen 18:00 Uhr in Berlin an. Hier endete eine wunderschöne, ereignisreiche Reise, die wir so schnell nicht vergessen werden!

Selena Braune, Maria Hausmann, Ann-Katrin Kalkbrenner, Lucille Siepelt